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Eisklettern in Rjukan (Telemark, Südnorwegen)Eisklettern in Rjukan (Telemark, Südnorwegen)

Alle Bilder gibt es auch in gross

'In wenigen Jahren wird es wohl gar keinen Winter mehr geben, also genieß die letzten, die es noch gibt und lass die Wärme Wärme sein...'
Mit dem Argument der globalen Erwärmung hat es Axel also geschafft: Statt in Italien am sonnigen Fels zu klettern, geht es zum Winterende in's kalte Norwegen zum Eisklettern.


Donnerstag: Anfahrt

Am 24. Februar 05, pünktlich 8:45 Uhr steigen wir also zu sechst (Vier Pirnaer Bergwachtler und zwei Gäste (Axel und ich)) in den Kleinbus, der uns nach Rjukan (was seit einem Bericht in der 'Klettern' wohl ein recht bekanntes Eisklettergebiet ist) bringen soll. Dass ich dem Vehikel, gleichwohl vom Roten Kreuz ausgeliehen, erst mal mit meinem eigenen Verbandskasten aushelfen muss, macht mich schon etwas stutzig...
Wir kommen aber unerwartet flott voran und erreichen schon gegen 20 Uhr Hirtshals (so ziemlich am nördlichsten Eck Dänemarks), wo die Fähre (allerdings erst nachts um 1) gen Norwegen losfährt. Die Wartezeit (viele schöne Skatrunden) und die Fährfahrt verlaufen reibungslos. Wir können uns auf den recht bequemen Sitzgarnituren der Fähre schön breit machen und auch ein paar Stunden schlafen.


Freitag: Anfahrt/Sektor E

Am nächsten Morgen sind wir also in Norwegen und kurven unserem 150 km entfernten Ziel entgegen. Ich habe schon seit Dänemark das Gefühl, dass der Motor etwas seltsam klingt, aber das Mobil ist ja auch nicht mehr das allerneueste... An einer Steigung passiert es dann. Ich trete ordentlich aufs Gas, damit wir überhaupt hoch kommen und urplötzlich röhrt der Motor los, dass ein Formel1-Wagen neidisch werden könnte. Die erste Analyse ergibt: Der Auspuff ist gleich an zwei Stellen völlig durchgerostet und sein Mittelteil hängt nur noch lose an einer Schraube. Wir deponieren die Überreste im Innenraum und suchen die nächste Werkstatt. Ersatzteile hätten sie keine und das Teil zusammenschweissen könnte man zwar probieren, aber halten würde das vermutlich auch nicht. Wir lassen uns noch versichern, dass das Fahren ohne Auspuff dem Auto nicht weiter schadet (höchstens unseren Trommelfellen) und knattern Richtung Rjukan. Drei Tage später finden wir dort eine Werkstatt, wo man uns helfen will: Der Kollege schweisst das ganze. Ob es hält, weiss er allerdings auch nicht. Dafür würden wir einen echten Schnäppchenpreis bekommen: Für die geschätzten 2,5 Arbeitsstunden nur knapp 300 Euro. Kurz gesagt: wir erlangen schliesslich zweifelhafte lokale Berühmtheit mit unserem lärmenden Auto, und kommen mit der auspufflosen Kiste tatsächlich wieder bis nach Dresden.
Mühsam darauf bedacht,dass der Vermieterin nicht auffällt, dass wir mehr als die 4 Leute sind, für die die Hütte ausgelegt ist, beziehen wir erst mal Quartier. Dass wir zu sechst sind, kommt ein paar Tage später natürlich sowieso raus, scheint die Vermieterin aber auch nicht wirklich zu interessieren. Wir beschliessen, zum Einklettern und da es auch schon bald Mittag ist, den Sektor E aufzusuchen. Direkt unterhalb der Strasse nach Gaustablikk gibt es ein paar Routen von ca. 15 bis 30 Metern Länge Genau richtig, um den Nachmittag zu verbringen und sich wieder an die so lange unbenutzten Eisgeräte und Steigeisen zu gewöhnen.


Samstag: Sabotørfossen

Tags darauf steht uns aber der Sinn nach grösserem. 30 Meter am Stück kann man ja in guten Wintern sogar im Elbsandsteingebirge klettern. Also geht es in Sektor B, direkt unterhalb von Vermork. Dieses ehemals größte Wasserkraftwerk der Welt ist heute technisches Museum. Die Eisfälle befinden sich in einer Schlucht und sind in ca. einer Viertelstunde vom Parkplatz aus erreichbar. Das Ambiente der Schlucht ist etwas seltsam, da offensichtlich sämtlicher im Kraftwerk anfallender Schrott einfach in die Schlucht hinabgeschmissen wurde und am Grund der Schlucht, aber auch mitten in den Eisfällen, riesige Haufen rostiger Stahlteile herumliegen. Nach einer Eingehtour (Nedre Swingfoss, 50m, WI3-4), beschliessen wir, gleich in die Vollen zu gehen: Der Sabotørfossen ist ca. 150m hoch und mit WI5 angegeben. Der Name rührt von den aufrechten Norwegern her, die die von den Nazis im Kraftwerk durchgeführten Experimente zur Entwicklung der Atombombe sabotierten. (Weitere Informationen hierzu gibt es zB unter visitrjukan.com)
Nach der moderaten ersten Länge, geht es zur Sache: in einem teils sehr schmalen Gully steigen wir am senkrechten Eis empor. Die Kletterei macht Spass, da man immer mal wieder den Fels mitbenutzen kann, was die Sache recht abwechslungsreich und spannend gestaltet. So bin ich ziemlich schnell wieder bei Axel am Stand. Das schwerste scheint schon geschafft. Die nächste Seillänge ist leichter und ganz oben wird es nochmal kurz steil, aber auch das ist schliesslich kein Problem mehr. Geschafft! Die tolle Bergfahrt wird nur vom Abstieg etwas getrübt: Am Kraftwerk stehen wir vor einem langen Zaun. Ein Schild belehrt uns, das das Überklettern 'Forbud' ist. Wo man stattdessen entlang soll, steht da auch, nur eben auch auf Norwegisch... Wir klettern also schliesslich doch (nicht als die ersten und auch nicht als die letzten) über den an der Stelle schon ordentlich ramponierten Zaun und sind bald wieder am Ausgangspunkt angelangt. Feierabend! Beim Abendessen legen wir das Ziel für den nächsten Tag fest: Wenn einigermassen gutes Wetter ist, wollen wir den Gaustatoppen, den markant über dem Tal thronenden schneebedeckten Berg besteigen.


Sonntag: Gaustatoppen (1883m)

Sonntag, strahlend blauer Himmel - Gaustatoppen-Wetter. Von Stefans Griessbrei (der besten Frühstücksidee seit langem) gestärkt, fahren wir die Serpentinen Richtung Gaustablikk hinauf, bis es auf ca 900m Höhe nicht mehr weitergeht. In einem grossen Linksbogen führt der Normalaufstieg an der kleinen Hütte mit dem riesigen Schornstein unterhalb des Gipfels vorbei zum höchsten Punkt. Spontan entschliessen wir uns, den Bogen wegzulassen und in gerader Linie hochzusteigen. Als die Bergflanke beginnt, steiler zu werden, legen wir die Steigeisen an und arbeiten uns die bis ca. 40° steile Schneerinne empor. Harte Schneeunterlage und der wenige Neuschnee darauf ist größtenteils vom Wind verblasen. Gute Bedingungen für zügiges Vorankommen. Nur ich merke mit jedem Höhenmeter mehr, dass mein intensives Wintertraining (2 Stunden Kletterhalle im November und 10 Kilometer Langlaufen im Februar, dazwischen nichts) wohl doch etwas wenig war. Die anderen sind schon weit voraus - Ich kämpfe mit dem Berg, meiner nicht mehr so richtig vorhandenen Kondition und dem aufkommenden Frust. Alle 50 Schritte mache ich - auf die Teleskopstöcke gestützt - eine Verschnaufpause. So ähnlich wie Reinhold M. kurz unterm Everest-Gipfel - Das schlimme ist nur: Wir sind gut 7000m tiefer. Wenigstens kommt mir Axel noch mal ein Stück entgegen, um mir die Thermoskanne Tee zur körperlichen und moralischen Stärkung zu bringen.
Das baut mich schon wieder etwas auf, trotzdem steht kurz vor Erreichen des Gipfelgrats der Entschluss fest: Nie mehr Bergsteigen! Mal ein, zwei Seillängen klettern ist ja ganz schön, aber diese stupide, anstrengende Sch...nee-Latscherei - nein danke. Schliesslich stehe ich dann doch auf dem Grat - was hatte ich gerade beschlossen?
Bergsteigen ist doch grossartig. Die unglaubliche Aussicht, die Freude, es endlich geschafft zu haben und auch der scharfe Wind der mir auf einmal um die Ohren pfeift - genial. Noch ein paar Minuten auf dem Grat entlang und wir stehen am höchsten Punkt Südnorwegens.
Der Abstieg über den Normalweg ist dann im nullkommanichts geschafft...


Montag: Trappfoss

Genug berggestiegen! Der Trappfoss ist uns schon vor zwei Tagen aufgefallen. Ganz hinten im Sektor B zieht er markant 200 Meter nach oben. Die Schwierigkeit ist mit WI5 angegeben. Unsere Hauptschwierigkeit ist erst mal, überhaupt bis zum Einstieg zu kommen. Obwohl es nur ein paar hundert Meter in der Schlucht sind, gestaltet sich der Anmarsch mühselig. Links um Block herum, rechts um Block herum, auf Block hinauf und wieder hinunter... Im Nachhinein sind wir uns sicher, dass mit dem Auto bis Sektor A fahren, von oben hinlaufen und abseilen die beste Variante ist. Aber auch durch die Blockschlucht erreichen wir schliesslich den Einstieg. Leider nicht als erste. Eine norwegische Frauenseilschaft ist schon eine Seillänge voraus. Die Aussicht, die ganze Zeit Eis auf den Helm geschmissen zu bekommen, ist wirklich nicht so berauschend. Da wir aber nun schon so weit gelaufen sind, wollen wir zumindest mal einsteigen. Eine kurze Steilstufe, dann noch 30 Meter Gehgelände. Schon haben wir die erste Seillänge geschafft. Die Norwegerinen sind von hier der schrägen Rampe nach rechts oben gefolgt und steigen jetzt schräg nach links oben - der vorgegebenen gängigsten Linie folgend. So ganz können wir die Eisschlaggefahr nicht ausschliessen, auch wenn Axel die entgegengesetzte Linienführung (erst links, dann rechts) wählt. Letztlich passiert aber nichts, die Norwegerinnen schreien ja auch jedesmal vorbildlich 'Iiis', wenn mal ein grösserer Brocken herunterfällt.
So ergibt sich das Hauptproblem eher aus Axels Linienwahl. Wie gesagt - Die 'Norwegerinnen-Linie' ist die einfachste, Axels Variante verbindet dagegen die steilsten Stücken des Eisfalls. So bin ich nach der ersten Hälfte dieser dritten Seillänge schon ziemlich platt und krieche zur kurzen Erholung erst mal in die kleine Eishöhle, die ich mir soeben freigehackt habe. Das folgende sieht einigermassen bitter aus: rechtsansteigender Quergang (im Eis schon per se ein Problem) - das ganze in recht unsolidem Eis, gefolgt von einem kurzen, aber sehr steilen Stück bis zu dem Band, wo Axel Stand gemacht hat. Irgendwie jongliere ich mich tatsächlich hinüber und stehe nach einigen kraftraubenden Metern am Stand. Die restlichen 50 Meter sind kein Hindernis mehr und nach viermaligem Abseilen an bereits vorhandenen Eissanduhren und ein paar leichten Metern Abstieg (die dritte Abseile ist 55 Meter lang), sind wir wieder bei den Rucksäcken. Zum Abschied versuchen die Norwegerinnen, nachdem sie uns mit Eisbrocken nicht erschlagen konnten, das mit einer Eisschraube zu besorgen. Aber sie verfehlen uns. In Axels Augen blinken schon die Dollarzeichen auf, als er das Teil im Schnee wiederfindet: eine echte Grivel, locker 50 Eu's wert und der 150-Meter-Sturz scheint auch spurlos an ihr vorübergegangen zu sein.
Aber wir treffen die beiden Mädels wenig später zufällig in Rjukan wieder und können so das Fundstück zurückgeben.


Dienstag: Sektor A / Autoprobleme

Am nächsten Tag besuchen wir den Sektor A, ganz oben im Tal - schon fast auf der Hochebene der Hardangervidda. Hier gibt es einige nette kurze Eisfälle, von denen wir die meisten an dem einen Tag 'abhaken' können. Nur die freihängende Eissäule, die Axel auf Anhieb hochstürmt, gelingt mir nicht. Es fehlt mir einfach mal wieder am Bizeps. Dafür wage ich endlich mal einen heldenhaften Vorstieg in 'Gaustapøkelset'. So viele Eisschrauben hat vermutlich noch keiner in einer 20 Meter langen WI3-Route untergebracht... Soviel zum Thema 'heldenhaft'.
Ein ganz anderer Held (Name dem Autor bekannt) hat sich brav an das Autofahren-auch-Tags-(sei-es-sonnig-wie-es-will)-mit-Licht-Gebot in Skandinavien gehalten. Dummerweise brannte das Licht auch auf dem Parkplatz weiter - gesehen hat das keiner, da ja heute ein strahlender Sonnentag ist. Jedenfalls ist die Batterie leerer als leer. Kein Problem, es finden sich natürlich hilfsbereite Kletterer und ein Starthilfekabel hat der Held ja persönlich eingepackt. Nach einigem Suchen und Blättern in der Betriebsanleitung, wieder eine neue Erkenntnis: Bei dem neuen Volvo ist die Batterie irgendwo hinten unter dem Kofferraum versteckt. Nachdem ein weiterer Held aufgrund der Warnaufschrift 'Remove Minus first!' auf der roten Abdeckung für den Pluspol, diesen für den Minuspol hält, passiert erst mal ausser einigem Funkenflug und einem halbverschmorten Starthilfekabel herzlich wenig.
Das bekommen wir aber auch noch geregelt. Allein der Anlasser ist unwillig und obwohl unsere Helfer im Volvo Vollgas geben, reicht der Strom offensichtlich nicht, unseren Motor in Gang zu bringen. Na ja - garkein Problem eigentlich. Wir sind ja ganz oben im Tal, haben also mindestens 200 Höhenmeter um den Motor aus dem Rollen heraus zu starten. Es rollt nur verdammt schlecht. Ach - Held 1 hat zu allem Überfluss auch noch die Handbremse angezogen... ganz schlechte Idee bei minus 10°C...
Schliesslich geht es dann doch einigermassen flott den Berg hinab. Ich versuche mal, die Kupplung kommen zu lassen. Der Motor dreht ein wenig und Strom ist auch gleich da, nur das Anspringen klappt nicht. Na ja - er will noch nicht ganz. Das ganze nochmal mit etwas mehr Schwung - negativ. Einige weitere Versuche in verschiedenen Gängen - kein Ergebnis. Schliesslich finden wir heraus, warum: Den Strom verwendet das Auto erst mal zur Aktivierung seines allermodernsten feature's: der elektronischen Wegfahrsperre - sprich der Motor kann garnicht anspringen. Um die Wegfahrsperre zu deaktivieren, muss ich anhalten, Zündschlüssel abziehen und auf den Sendeknopf am Schlüssel drücken. Ja prima. Nur, sobald ich die Kupplung kurz trete, ist das bisschen Strom sofort weg. Vergessen wir das mit 'Wegfahrsperre deaktivieren'! Also rollen wir bis zur ersten leichten Gegensteigung, stellen das technische Wunderwerk am Strassenrand ab und machen uns auf den Weg in die Stadt. Ein hilfsbereiter Busfahrer, der uns umsonst mitnimmt und sogar noch einigen Umweg auf sich nimmt, um uns bis zur Hüttentür zu chauffieren, spart uns einige Kilometer Lauferei. Im Laufe des Abends schaffen wir es schliesslich auch, dem ADAC (Held 1 ist Plus-Mitglied, hurra!) unsere Lage begreiflich zu machen.


Mittwoch: Sektor A

Am nächsten Morgen kommt auch tatsächlich der Pannenhelfer pünktlich um 9 Uhr an und nicht allzuviel später hören wir unseren lärmenden Bus wieder an der Hütte vorfahren. Mit einer geballten Portion Strom hat es das Pannenhilfefahrzeug geschafft. Hier ist man auf derlei ganz gut vorbereitet.
Nachdem wir eine kleine Runde mit dem Auto gedreht haben, um die Batterie noch etwas aufzufrischen, steuern wir wieder Sektor A mit seinen kurzen Routen an. Da es heute mit ca 15 Grad unter Null doch unangenehm kalt ist, sind wir nicht so recht motiviert, steigen aber trotzdem noch die zwei Routen, die wir gestern ausgelassen haben. Abseilen - und ich würde am liebsten gleich nach hause gehen...
Während ich noch die Seile ordne, versucht Axel Bekanntschaft mit den locals zu schliessen: 'Hello, very cold today'... 'Did you climb this route as well?' ... 'Where do you come from? Germany?' 'Ja, ihr etwa auch?' - Na ja - das vereinfacht die Unterhaltung doch etwas... Die Ingolstädter erzählen uns dann noch von ihrem Mitstreiter der heute schon nach Hause fliegt. In einer leichten Seillänge ist er aus einer kleinen Unachtsamkeit heraus 20 Meter abgestürzt und hat sich den Oberschenkelhals zertrümmert. In zwei Tagen im Krankenhaus haben sie ihn soweit zusammengeflickt, dass er zumindest transportfähig ist. Na ja - ich wollte heute sowieso nichts mehr klettern und vorsteigen schon garnicht...
Eine Vorführung der besonderen Art liefert auch ein englischer Kletterkursleiter ab. Nachdem seine Schüler gerade noch stundenlang Standplatzbau und Sichern geübt haben, kommt als nächstes 'Figure of Four' dran - eine aus dem Bouldern entlehnte Spezialtechnik, bei der man das linke Bein über den rechten Ellenbogen hängt (gute Griffe bzw gut gesetztes Eisgerät für die rechte Hand vorausgesetzt) und dadurch auch ohne Tritte den Körperschwerpunkt nach links oben schieben kann. Ob man als Eiskletteranfänger irgendeinen Nutzen aus der Beherrschung dieser Technik ziehen kann, sei mal dahingestellt. Dass der sehr durchtrainierte Vorturner, nachdem er das ganze ohne Steigeisen demonstriert hat, seinem wesentlich unbeholfeneren Schüler, vom Steigeisen ausziehen abhält und auch nichts dagegen unternimmt, dass der Übende möglicherwise rücklings auf den felsigen Untergrund fallen und sich dabei verletzen könnte, finden wir dann schon arg befremdlich. Aber wir sagen uns, frei nach Olaf Schubert: 'Figure of Four - Soll'n se machen. Ich sag nur: Macht! Macht!'
Also wenden wir uns schönerem zu: Jetzt am Nachmittag scheint die Sonne recht fotogen auf die Eisfälle und so kann ich noch ein paar Bilder von Micha in Fyrstykka WI5 schiessen, ein Eisfall, der gestern noch viel zu nass aussah, aber heute bei der eisigen Kälte ganz gut zu gehen scheint.


Donnerstag: Ruhetag

Da ich mich etwas erkältet habe und die anderen sowieso eine Schneeschuhtour machen wollen (ich besitze keine Schneeschuhe), lege ich am nächsten Tag eine Ruhepause ein. Nach erholsamen Stunden, in denen ich endlich auch mal dazu komme, ein paar Seiten zu lesen, bringt der Abend noch einen echten Höhepunkt. Eigentlich wollten wir nur 2...3 Saunagänge machen, aber da in den stattlichen 11 Euro Eintritt das Schwimmbad inklusive ist, heisst die Devise: Wasserrutsche! Die Rutsche verfügt über eine automatische hundertstelsekundengenaue Zeitmessung und bald tobt ein heisser Wettkampf. Mit meinen 7,18 Sekunden schaffe ich es schliesslich, Axel (7,38), Micha (7,73) und Andreas (8,06) auf die Plätze zu verweisen (wenn ich schon beim Klettern nicht der beste sein kann ;-)).


Freitag: Sektor B

Es folgt ein weiterer Tag im Sektor B, wo wir aufgrund des schlagartig wärmer gewordenen Wetters leider den Klassiker Vermorkfossen nicht mehr klettern können - er ist vom Eis- zum Wasserfall mutiert. Dafür steigen wir die beiden grossen geneigten Fälle auf der gegenüberliegenden Talseite (Lettvann WI3, Tracy's Eyes WI3-4), was recht flüssig geht (sogar halbwegs in der einen Seillänge, die ich vorsteige) und Spass macht. Immerhin sind es auch 100 und 150 Klettermeter.
Den krönenden Abschluss bildet schliesslich aber die 50 Meter-Tour Vermorkbrufoss Vest WI5, direkt rechts unterhalb der über die Schlucht führenden Brücke. Andreas und Stefan sind hier heute schon gescheitert. Das Eis schien ihnen zu unzuverlässig. Axel ist aber hochmotiviert. Flott steigt er die ordentlich steile Eissäule hoch, dreht Eisschrauben ein, ist recht schnell an der Stelle, wo Andreas und Stefan umgekehrt sind. Hier wird das Eis sehr weich und wässrig, ausserdem bildet es nur eine relativ dünne Schicht auf dem Felsen. Axel scheint trotzdem recht entspannt, dreht eine Schraube etwas unterhalb in solides Eis, unterhält sich mit Stefan, der sich den Logen- und Fotografier-platz auf der Brücke gesichert hat. Ein paar entschlossene Züge, er hat es geschafft und steht - zum ersten Mal in der Route - auf einem bequemen Band, wo man ausruhen kann. Der Rest ist nicht mehr so schwer und das Eis ist vertrauenerweckend dick - nur leider auch extrem nass. Nach zentimetergenau 50 Metern hat Axel die grosse Birke ganz oben erreicht: 'Stand!'
Kurz darauf bin folglich ich dran. Sah ja nicht sooo schwer aus - also sollte ich es auch mit meinen etwas altmodischen Eisgeräten und mit unseren beiden ineinandergestopften Rucksäcken auf dem Buckel schaffen. Was soll man sagen: Die Eisgeräte wollen nicht recht greifen, der Rucksack zerrt nach hinten... zweimal fliege ich ins Seil, fluche bei jeder Eisschraube, die ich mühsam herausdrehen muss und das schmelzende Eis im oberen Teil weicht schliesslich noch Handschuhe und Jacke gründlich durch. Mir reicht's. Im Nachhinein war es natürlich schon eine herausragende Bergfahrt, im Moment bin ich aber heilfroh, dass wir nur noch zur Brücke hinüberlaufen müssen und gleich in das Auto nach Hause steigen können.


Samstag/Sonntag: Heimreise

Am nächsten Tag geht es schliesslich wieder nach Deutschland. Abgesehen davon, dass wir vom Motorlärm halb taub sind, erreichen wir alle heil wieder die Heimat.

Joachim Finzel, März 2005

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