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Drei Irre bei den (noch irreren) ArabernDrei Irre bei den (noch irreren) Arabern

Klettern Radtour Tag 1 Tag 2

Willkommen in einer anderen Welt

Als wir herausgefunden haben, warum der Flug nach Agadir so unverschämt billig ist (am 29. Februar 2000 sind die Absturzchancen durch Computerversagen ja enorm hoch), ist das der erste Schritt zum 'inschallah' - wenn es Allah gefällt, stürzen wir eben ab - 'inschallah'. Doch weitere Schritte sollen folgen...
Die Abfahrt mit dem Bus nach Ouarzazate klappt noch nach dem unter www.kingdomofmorocco.com* gefundenen Fahrplan und Tarif. Die Theorie '350km dauern 4...5 Stunden' erlebt jedoch bereits auf den ersten 50km mit Tausenden von Zwischenstopps eine Bauchlandung. Gegen Mittag sind wir also nicht am Ziel, sondern irgendwo in der Prärie an irgendeiner Imbissbude, die offensichtlich für den Mittagspausenstopp eingeplant war....
Ouarzazate gegen Abend - neues Spiel, neues Glück. Der nächste Bus nach Tinehir soll erst nachts fahren, dafür aber spottbillig sein... gefällt uns nicht so recht. Also mal in Erfahrung bringen, was ein Taxi kostet - vertretbar. Fahrräder und Gepäck werden auf das Dach geschnürt. Jetzt ist der Preis auf einmal doppelt so hoch - aha!
Was soll der Geiz - wir beginnen, das sorgsam befestigte Gepäck wieder abzuladen - Nein nein ... jetzt wird es wieder billiger ... ein beiderseits akzeptierter Fahrpreis wird neuerlich gefunden ... da fällt einem der Verhandlungsführer ein, dass wir (wir 3 und noch 2 Deutsche, die wir im Bus getroffen haben) ja eine Person zu wenig sind. Der Mercedes soll mit 4 Personen auf der Rückbank und 2 auf dem Beifahrersitz beladen werden - oder es wird teurer.
Das alte Reinhold-Helge-Spiel beginnt von vorne.
Jedoch nach knapp einer Dreiviertelstunde ununterbrochenen Palavers setzt sich das Vehikel tatsächlich in Bewegung - und wenn wir ehrlich sind für einen Preis, der nur knapp über den reinen Spritkosten liegt. Wovon der Fahrer - und vor allem sein halbes Dutzend Verhandlungsführer - leben, ist schon rätselhaft. 
Auf jeden Fall gelangen wir - spät aber immerhin noch am selben Tag - zu unserem Ziel, der Todra-Schlucht, wo gigantische Kalk-Wände und eingebohrte Kletterrouten auf uns warten.

Marokko Todraschlucht mit 

unserem 
Hotel (* falls wirklich jemand diesen Hyperlink anklickt: Nicht wundern, wenn man ganz wo anders rauskommt - im Februar 2000 jedenfalls war das noch die offizielle Seite der marokkanischen Torismusbehörde)

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Standard-Programm: Klettern (Was sonst?)

Nach zwei Tagen haben wir einen Rhythmus gefunden: Frühstücken, 1...2 Routen klettern, 2...3 Stunden Siesta (Abhängen auf der schattigen Café-Terrasse), noch mal was klettern und ab ins 'Literatur-Café' - zu Tische liegen, ein wenig in Büchern blättern und Fünfe gerade sein lassen.
Doch man muß ja was erleben. Daher erkunden wir die 'Straße' Richtung Tafratoucht - ein rechter Holper-Feldweg, aber MTB-gängig. Wenn es hinter Tafratoucht so weiter geht, müßten die ca. 65km Todra-Tafratoucht-Tizi'n Ouguerd-Zegzaoura(2620m)-Msemrir locker zu schaffen sein. Von Msemrir müssen wir dann nur noch das Dades-Tal abwärts fahren und sehen, wie weit wir kommen. Am nächsten Tag wollen wir dann über Boumalne de Dades die Rundtour vollenden.
Vorher natürlich noch mal ein Klettertag - wir steigen dem 'Elefant' aufs Haupt. Das ist eine Felswand bei der in der Mitte ein Pfeiler - einem Elefantenrüssel gleich - herausragt. Die rechte Verschneidung zwischen Rüssel und Elefant ist (UIAA 7-/7) und muß mit Keilen und Friends abgesichert werden. Es ist gut, dass wir mit 'Pitti' einen nervenstarken Rißkletterer dabei haben. Das Abendprogramm besteht heute zusätzlich noch darin, die 1:100000-Militär-Landkarte, die im Hotel an der Wand hängt, einigermaßen abzumalen und sich geistig auf das kommende vorzubereiten...

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Der große Auftritt der MTBs

Olaf und Steffen 


unterwegs Mit relativ leichtem Gepäck und meiner phänomenal detaillierten Kartenskizze rollen wir also Tags darauf die Straße deren erste paar Kilometer wir schon kennen hinauf. Der Belag ist mal besser, mal schlechter, aber im ganzen kommen wir einigermaßen voran, d. h. mein Tacho gibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit >15km/h an. Nach etwa 10 Kilometern wandelt sich der Landschaftscharakter von der engen Schlucht mehr und mehr in eine hügelige Hochebene. Es rollt nun etwas besser, aber in Tafratoucht taucht ein Problem auf. Laut der Militärkarte gibt es eine große Straße Richtung Dades-Tal - kaum zu verfehlen. Es gibt aber jede Menge unbefestigte Wege hier in dieser fast vegetationslosen leicht hügeligen Landschaft. Doch die Rettung naht. Eine Horde Kinder rennt auf uns zu 'Dades? Dades?' - 'Oui, Dades!' - und 10 Kinder zeigen in 10 verschiedene Richtungen. Na, danke! Verar... können wir uns auch alleine. Wir wählen also einen Weg, der in etwa die Richtung hat, und fahren los. Doch nach kaum 200 Metern verliert sich der Weg und geht in ein trockenes Flussbett voll grobem Geröll über. Hier ist kein vernünftiges Vorwärtskommen möglich. Als ob das noch nicht genug wäre, kommt schon wieder einer der freundlichen 'Helfer' von vorhin an. Doch nach kurzer Diskussion beschließen wir, einfach zu glauben, dass er uns den richtigen Weg zeigen wird. Es lohnt sich. Er zeigt uns nicht nur den Weg, nein, er rennt fast zwei Kilometer neben unseren Rädern her bis auf einen Hügel und zeigt uns genau, wo der nächste wichtige Abzweig ist. Natürlich entlohnen wir das mit einem für uns relativ lächerlichen, für ihn sicher fürstlich anmutenden Trinkgeld und einer Orange aus unserem Proviant. So geht es munter weiter - allein an Höhe gewinnen wir kaum. Der Ort lag auf ca. 1800 Metern, der Pass ist über 2600 Meter hoch - die Übersichtskarte Marokko behauptet gar 2800. In der letzten halben Stunde haben wir von den 800...1000 Metern vielleicht 50 geschafft - so wird das nie was...

Irgendwann geht es dann doch empor, aber gleich wieder so steil...ja, dass man eigentlich locker hochfahren könnte, wäre es eine nur halbwegs ebene Fahrbahn. Bei dem Geholper über die nackten Felsen zeigt mein Tacho drei bis fünf km/h an. Da ist es einfach sinnvoller zu schieben – man ist genauso schnell und es strengt etwas weniger an. Kaum haben wir die ca. 200 Höhenmeter so bewältigt, gibt es eine Erfrischung: eine nette Abfahrt... von den schönen Höhenmetern gehen wieder 50 flöten. Zum Glück wissen wir nicht, was uns jetzt erwartet: Der nervigste Teil der Reise. Bei einer stetigen Steigung, die gerade steil genug ist, dass es nicht gut rollt, aber noch so flach, dass man kaum Höhenmeter macht, geht es durch ein Wadi. Durch den gewundenen Talverlauf können wir auch nie abschätzen, wo der Pass denn sein könnte. Wir halten nach einer Weile entnervt an - Pause... Trotz des diesigen und relativ kühlen Wetters brauchen wir dabei unsere letzten Flüssigkeitsvorräte fast völlig auf und heben nur eine Notration und ein paar Orangen auf. Wenn wir es heute nicht über den Pass schaffen, werden wir das noch brauchen können. Menschen haben wir schon eine geraume Weile nicht mehr gesehen und die Zivilisation liegt schon weit hinter uns - oder vor uns. Wie weit ist nur zu erahnen.

Die einzige Methode ist reintreten und sich möglichst wenig Gedanken wie 'Scheisse - es geht nicht voran' oder 'Wie weit ist denn der verfluchte Pass noch?' zu machen. Irgendwann zeichnet sich dann doch Höhengewinn ab und nachdem ich die letzte halbe Stunde hinter den beiden Helden her geschoben habe, stehen wir oben. Ein wüster Flecken Erde - nur Steine und vielleicht ein dürrer Grasbüschel auf den Quadratmeter. Aber drüben geht es hinunter!

Eine Weile sitzen wir noch und lassen das vergangene auf uns wirken, dann folgt die Kür - endlich hat sich der Kauf dieses Mountainbikes mit Federgabel mal so richtig gelohnt... Olaf, der mit seinem weniger stabilen Trekkingrad schon ein paar Minuten eher bergab gestartet ist, haben wir im Nu eingeholt und selbst ein schnell geflickter Plattfuss kann uns nicht mehr aufhalten. Nach den Stunden, die wir hochzu gebraucht haben, sind wir in wenigen Minuten wieder bis auf 1900 Meter runterge'schrabbelt'. Häuser, Strassen, eine Kneipe, der wir gleich ordentlich Umsatz bescheren... Es ist geschafft.
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Gemütlicher Ausklang

Ein Ort im 
Vallee du Dades - Mich gibt es auch als 
Hintergrundbild Der folgende Tag bietet zwar mehr zu bewältigende Kilometer, aber auch in Marokko ist der Fortschritt nicht aufzuhalten. Worüber wir abends noch skeptisch diskutierten, erweist sich als Spaziergang. 80 Kilometer auf nagelneu asfaltierten und nur gelegentlich mal steilen Strassen. Doch auch die sind lohnend und ich halte alle paar Kilometer an um Fotos zu machen: die Spitzen der Minarette, Kasbahs, zahlreiche Ortschaften, die Landschaft mit dem (ein ganz neuer Eindruck) GRÜNEN Tal. Nach all dem reicht es uns und kurz nach Mittag besteigen wir den Bus nach Tinehir. Noch am Tage treffen wir wieder im Hotel ein. Guten Gewissens können wir jetzt noch ein paar gemütliche Klettertage einlegen, bevor wir schon viel zu bald wieder an die Rückreise denke müssen... Nach einigen ruhigeren Tagen, einigen weiteren Asfalt-Fahrrad-Kilometern, einer weiteren nervigen Busfahrt und einem entspannten Tag am Meer, sitzen wir wieder im Flieger. Wir werden wiederkommen...

Joachim Finzel, April 2000

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