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Unterwegs auf Malta und GozoUnterwegs auf Malta und Gozo

Start Klettern auf Gozo Bohrhaken? Klettern auf Malta

Ab nach Süden!

Die Informationen über Malta waren im wesentlichen die folgenden:
Man spricht englisch, die Insel ist knapp 30 Kilometer lang und es gibt Sportkletterrouten.
Was war also zu tun? Flug buchen, Fahrrad einpacken, Kletterzeug mit (sicherheitshalber) ein paar Klemmkeilen einpacken - Abflug! Erste Änderungen dieser Planungsparameter ergaben sich bereits als ich mir die Mail vom Kletterfuehrerautor John Codling genauer besah. Sportklettern? Bohrhaken? Nur in Ausnahmefällen und im Zweifelsfall nur in Wegen ab E2 aufwärts...
Also stellen wir uns mal mehr auf Abenteuerklettern als auf Sportsklettern ein. Ansonsten stand der Plan noch. Abends den letzten Zug nach Leipzig und weiter nach Schkeuditz nehmen, zum Flughafen radeln und warten, dass es 4 Uhr morgens wird. Billige Flüge konzentrieren sich offenbar auf möglichst besch... Zeiten. Der Rückflug soll dann früh um 1 ankommen, so daß der letzte Zug nach Dresden auch schon weg sein wird... Nach einer eisigkalten und unerwartet langen Runde um den halben Flughafen reiten wir (souverän ohne Licht an der Polizei vorbei) in der Abflughalle ein. Noch 3 1/2 Stunden bis zum Start. Steffi versucht zu schlafen, ich gebe dieses Vorhaben gleich auf. Fahrrad zerlegen, einchecken, Sicherheitskontrolle, trallala - es lohnt nicht - man hat ohnehin kaum ein paar ruhige Minuten am Stück. So ist es dann auch und nach den üblichen nervigen Formalitäten (inklusive "Haben Sie denn das Fahrrad angemeldet?" - "Es gibt Vorschriften wie gross und wie schwer das Handgepäck sein darf!" etc., was mir in Anbetracht meines akuten Schlafdefizits fast gereicht hätte, mich in die Reihen der vielen gewalttätigen Fluggäste einzureihen) starten wir pünktlich und kommen ebenso pünktlich auf Malta an. Kurz vor acht Uhr morgens - der erste Schritt aus dem klimatisierten Flughafen heraus - Hilfe! Eine Schweinehitze - Wie soll das erst tagsüber werden? Also möglichst schnell losfahren. Die 25...30 Kilometer bis Cirkewwa sollten ja in maximal zwei Stunden zu schaffen sein. Dort wollen wir erst mal eine Fähre zur Nachbarinsel Gozo besteigen.... Die Fähre besteigen wir dann auch, nur einige Stunden später als geplant. Auf Malta gibt es nämlich drei Kategorien von Strassen: Extrem holprige, extrem steile und extrem stark befahrene. Das ganze bei einer recht grossen Schnittmenge, d. h. die meisten Strassen können alle diese drei Gütemerkmale auf sich vereinen. Demzufolge geht es ums Verrecken nicht voran und kühler wird es tagsüber natürlich erst recht nicht. nach oben

Erste Kletterversuche

Am Tagesziel, der Bucht Mgarr Ix Xini angekommen, plumpsen wir erstmal auf den Kiesstrand und holen einen geringen Teil des entgangenen Schlafs nach. So jetzt noch was klettern! Nur wo? Laut Kletterführer gibt es in der Schlucht landeinwärts viele lohnende Klettereien. In der Richtung sind aber nur massenweise Gestrüpp, kaum Fels und schon gar keine Bohrhaken zu erkennen. Also - mandiana...
Vor mandiana steht mal wieder Marokko-artige Verhandlungstaktik bis für das Appartment (in dem keinen Ort Xlendi) ein relativ akzeptabler Preis gefunden wird. Schlaaaaafen!
Wie zu erwarten war, kommen wir auch am nächsten Tag nicht recht in die Gänge und nach dem Frühstück erschlägt uns schon wieder die Mittagshitze. Wir suchen ein schattiges Plätzchen in einer Felsenhöhle am Meer und warten auf Abkühlung. Ich versuche weiter in die Geheimnisse der englischen Sprache und Schwierigkeitsbewertung einzudringen - sprich ich suche im Kletterführerausdruck nach halbwegs geeigneten Einkletterwegen.
'...some sea-side bouldering...' - na das wäre doch schon mal was. Neben unserem Badeplatz wartet ein sensationeller 'Gipfel' (zum Meer ca. 8 Meter und zum Land ca. 1 Meter hoch) auf seine Besteigung. Nicht nur das gelingt - nein, auch ein Quergang um den Gipfelsockel. Letzterer schon unter den Augen der auf 50 Meter Sandstrand gedrängten Touristenschar. Auf zu höheren Aufgaben! E1 5a klingt ja nicht zuuu schwierig, und es wird auch schon abendlich kühl, also ran an den Fels der 'Town Crags'. Nach einiger Begutachtung haben wir ein Stück Fels gefunden, was Ähnlichkeiten mit der Wegbeschreibung hat und auch tatsächlich gelingt. Eigentlich wollten wir gleich wieder absteigen, entdecken jedoch einige Meter rechts oberhalb eine Felswand, die auch bezwingbar erscheint. Würde mich mal interessieren, ob diese Heldentat mal im Kletterführer als unsere Erstbegehung zu lesen sein wird. Ich habe jedenfalls dem Kletterführerautor davon berichtet und ein 'thanks for the information. it was all very helpful' zurückbekommen. Bis heute weiss ich nicht, wie ironisch das gemeint war (britscher Humor und so...). nach oben

Bohrhakengebiet ?

Anderntags wollen wir mal das in Rotpunkt so gelobte und mit Bohrhaken gesegnete Gebiet bei Dwejra Bay besuchen. Vorher noch ein paar touristische Standarts: Fahrt mit einem der Linienbusse (britische Fabrikate noch aus Kolonialzeiten), kurze Besichtigung der Inselhauptstadt Victoria, des 'Inland Sea', einer Art Lagune, die durch einen Felstunnel mit dem Meer verbunden ist, und des Azur window. Letzteres ist ein Felsentor, dessen einer Pfeiler im Meer steht. Ich kann nicht widerstehen und umrunde diesen schwimmenderweise. Bei der bewegten See schon mit einem etwas seltsamen Gefühl verbunden... Die Mittagshitze ist inzwischen überstanden, also auf zu den Bohrhakenrouten! Zum Einstieg kommt man nur durch Abseilen. Nach einer Weile habe ich den 'abseil point' gefunden. Zwei solide rostfreie Bohrhaken. Die Stimmung steigt... Beim Abseilen komme ich schon bald an einem weiteren Bohrhaken vorbei. Na ja -sieht etwas vergammelt aus, aber... Ich fasse das Teil mal an und habe schon die ganze Bohrhakenlasche in der Hand. Ich hatte ja schon mal was von Korrosion gehört, aber dass es so krass ist - dank der Seeluft hat das Aluminium noch ungefähr die Festigkeit eines Butterkekses. Da die Felsstruktur auch eher reibungsplattenmäßig ist, läßt sich mit Klemmkeilen auch nicht viel ausrichten. Letztenendes kriechen wir über eine Route im Schwierigkeitsgrad S (ca. UIAA 3) wieder nach oben. Tolles Klettern, das! Dafür gibt es dann noch einen echten Höhepunkt: der Rückmarsch nach Xlendi durch gigantische Steinbrüche ist, zumal es mittlerweile fast Nacht ist, ein beeindruckendes Erlebnis... Als wir tags darauf auch bei Mgarr Ix-Xini ('offers the best selection of one pitch (...) climbs (...)') nach ewigem Durch-Dornensträucher-Gekrieche gerade mal eine 20 Meter lange Route (diesmal immerhin HS 4b, also ca UIAA 5) schaffen, macht sich langsam Frust breit. Die Kletterei (Freedom HS4b **) ist allerdings wirklich lohnend, eine technische Riss-Verschneidung mit einem 'perplexing' Schlussüberhang. Doch es liegen viele gute Keile und in dem Überhang kommen auch unerwartet gute Griffe. Ein schöner Aufstieg - nur dafür, dass das hier ein Kletterurlaub sein soll und der auch schon wieder halb rum ist, doch eine sehr magere Ausbeute.
Die Entscheidung, wann wir wieder auf die Hauptinsel Malta zurückfahren, wird uns tags darauf vom Vermieter abgenommen. Ursprünglich wollte er ja nur für mindestens eine Woche vermieten, jetzt ist die Verlängerung von 4 auf 5 Nächte plötzlich nicht mehr möglich. nach oben

Zurück auf der Hauptinsel Malta

So viel gab es auf Gozo ohnehin nicht mehr zu besichtigen und Steffi hat schon einen Plan: Die Gneja Bay soll ganz idyllisch und einsam sein. Da können wir bestimmt romantisch am Strand übernachten. Von der Einsamkeit bekommen wir allerdings wenig mit, das liegt nicht nur an den Unmengen von Mücken, sondern auch an den Massen von Leuten, die hier ihre Wohnwagen abgestellt haben, Imbissbuden und dutzendweise herumstehenden Mülltonnen. Dass dann so ca um 5 Uhr morgens ein Lastwagen vorfährt, um letztere zu leeren, ist noch das i-Tüpfelchen auf einer ziemlich surrealen Nacht. Nachdem wir uns dann wieder - diesmal im Mellieha - in ein Appartement eingemietet haben, machen wir noch einen Kletterversuch: Pigeon Wall VS4c - wie gehabt, ganz nett, aber das ewige suchen und durch Gestrüpp kämpfen läßt keine rechte Freude aufkommen. Kurz gesagt: Der Rest unseres Inselaufenthalts ist nur noch von touristischen Standards geprägt: baden, beachen, die Festungsanlagen der Hauptstadt Valetta, die Megalithentempel und die bunten Fischerboote im Hafen anschauen, lecker frischen Fisch essen... Irgendwie sind wir dann erleichtert, als uns das Flugzeug wieder zurück ins kalte Deutschland gebracht hat.

Joachim Finzel, Oktober 2000

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